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Kölner Karneval

Ursprünge und Entstehung

Im Köln der römischen Zeit lebte ein buntes Gemisch verschiedener Menschen und Kulturen. Die römische Kolonie war ein Schnittpunkt vieler Völker, sowie zugleich Hauptstadt und Zentrum des Handels und der Verwaltung in der römischen Provinz Niedergermanien. Es liegt nahe anzunehmen, dass die Fastnacht eine Fortsetzung und vorchristliche Form germanischer Kultfeste, römischer Freuden- und Reinigungsfeste wie die Saturnalien und Luperkalien oder der hellenistischen Bacchanalien sei. Richtig ist eine gewisse, allerdings keine kontinuierliche Abhängigkeit der Fastnachtsbräuche von den Festen und Kulten der vergangenen Naturreligionen (römisch, hellenistisch-orientalisch, germanisch). Man kann behaupten, dass ab dem 12. bis 13. Jahrhundert die christliche Fastnacht diese heidnischen Feste ersetzte. Die Fastnacht war das letzte Fest vor der Fastenzeit. Die Fastnacht besteht aus Rückgriffen auf Strukturenelemente paganer Feierlichkeiten. Die Wurzeln der Kölner Fastnacht sind demnach in „heidnischen“ Traditionen zu suchen, welche eine lange Geschichte besitzen.

Verkleiden und umgedrehte Welt

Das Verkleiden und das Spielen der verkehrten Welt, Umtanzen des Fastnachtfeuers, das Schlagen weiblicher Wesen mit Riemen und Ruten, Kultschmuck, -lärm, -spielen, sowie Schmausereien und Trinkgelage waren stets Ventilsitten für die Bevölkerung gewesen. In Germanien gab es sakrale Feste zur Austreibung des Winters (Lärmen, Masken, helles Feuer, Heischgänge der Kinder-Brot und Kuchen) und zum Herbeilocken des Frühlings (wilde Tänze). In Griechenland wurde der Gott des Weines und der Lebensfreude gefeiert (Dionysos), im Römischen Reich gab es die Saturnalien, Freudenfeste zu Ehren des Gottes Saturn und die Luperkalien, Sühne- und Reinigungsfeste gegen das Unheil (Frauen mit Riemen schlagen)2 .

Im Mittelalter war das karnevalistische Treiben vielen Einflüssen und Hindernissen ausgesetzt. Mit dem Ende der römischen Herrschaft um 460 und der kurz darauf folgenden Taufe Chlodwigs herrschte ein starker Einfluss der Kirche in Köln. Mit Misstrauen betrachtete man die noch existierenden heidnischen Bräuche der Mummereien (Tierverkleidungen) und Feste. Die Kirche kämpfte gegen die heidnischen Kultur- und Religionselemente an, jedoch mit mäßigem bis gar keinem Erfolg.

Der „deutsche Apostel“ Bonifatius verbot im Jahre 742 die Winteraustreibungen, weil die Verkleidungen und Umzüge im Februar als abergläubische und heidnische Riten galten.

Nach und nach vollzog sich eine Vermischung der Elemente. Das Feste feiern war ein Ausdruck der einfachsten menschlichen und sozialen Bedürfnisse. Das heidnische Gedankengut wurde durch die Kirche und die städtische Kultur vertrieben, aber das Verlangen nach ‚dionysischer’ Freude überlebte im Mittelalter beim Volk. Ab dem 12. Jahrhundert wurden die Bräuche akzeptiert und erhielten einen Bezug zur christlichen Fastenzeit. Mit Aschermittwoch begann eine Zeit strenger Fastenregeln. Jeglicher Genuss von Fleischspeisen und Tierprodukten (Milch, Käse, Butter, Eier), Tanz und Musik sowie (ehelicher) Geschlechtsverkehr war für 40 Tage untersagt. Die Fastnacht sollte im Hinblick auf die bevorstehenden Entbehrungen hinwegtrösten. Man durfte und sollte noch einmal gut Essen, Trinken und ausgelassenen Tanzen. Der Fastabend war also als Abende vor dem großen Fasten zu verstehen. Damit wurde er der Liturgie der Kirche und des Kirchenjahres dazugeordnet. Mit den nachfolgenden Jahrhunderten dehnte sich der Fastabend zeitlich aus

Fastelovend im Mittelalter

Im späten Mittelalter war die Wahrung des Brauchtums Fastelovend Aufgabe der Zünfte. Diese Tatsache verfestigte sich zunehmend mit dem Aufstieg des Bürgertums durch die Schlacht in Worringen (1288) und der folgenden Bedeutungssteigerung des Handwerks und der Gaffeln (Verbundbrief als neue demokratische Verfassung 1396; Verschmelzung der Zünfte). Demnach wurde die Fastnacht seit dem 14. Jahrhundert von den Patriziern, den Gaffeln und den Zünften gefeiert. Die erste schriftliche und urkundliche Überlieferung von der Fastnacht in Köln stammt aus dem Jahre 1341 und bezeichnet ein Beschluss der städtischen Ratsherren Kölns, in dem es heißt, dass sich die Ratsherren verpflichten müssen, kein Geld mehr aus der Stadtkasse für Fastnacht bzw. vastavende zu geben. Das Fastnachtstreiben war zu einem Politikum geworden. Es sind die Jahre des demokratischen Ausbaus der Stadt und der Kampf der Handwerker gegen die Patrizier um die Vorherrschaft in der Stadt. Der Stadtrat betrachtete das Fastnachttreiben stets mit einer gewissen Skepsis. Die Ratsherren und der Rat waren die Hüter der Moral.

Vorher beschränkten sich die Feiern auf die Nachbarschaft, in den Stadtvierteln. 1403 wurde die Fastnacht mit ihren Mummereien (unter Androhung von 5 Mark Strafe) und die Heischegänge, das Festhalten und Fangen von Personen auf der Straße, die sich mit Krongeld oder Opfergeld freikaufen mussten, verboten. Der Grund für das Verbot waren politische Spannungen und Kriege ebenso die Häufung von maskierten Überfällen in dieser Zeit

Charakteristisch für die Fastnacht im Mittelalter waren unter anderem so genannte Schwert- und Reifentänze. Die Tänzer kamen aus den Gaffeln, in Köln hauptsächlich aus der Schmiedezunft. Unverheiratete Gesellen führten kunstgerechte Schwert- und Fechtschläge aus und „fügten aus mannigfachen Figuren schließlich eine Rose zusammen, für den Vortänzer das Zeichen, seine Ansprache an die Umstehenden zu halten“. Dieses Karnevalselement weist Parallelen auf zu ursprünglichen Kulttänzen. Ein Kampf zwischen Gut und Böse

Trommler und Pfeifer im 16. Jahrhundert

Im 15. und 16. Jahrhundert waren die Hauptträger der Fastnacht die Gaffeln und ihre Gesellen. Charakteristisch waren die Umzüge der Gesellenbanden. „Mit Trommlern und Pfeifern zogen die Gesellen durch die Stadt und führten ihre Reigen und Tänze auf, wobei das Vorrecht der Schmiedegesellen der Schwerttanz war“6 . Grund dafür war, dass das politische Mitspracherecht der Gesellen recht klein war und die Fastnacht war in Zeiten, in denen es keine Pressefreiheit gab, demnach ein politisches und gesellschaftliches Ventil. Sie war die Möglichkeit, öffentlich die Meinung zu äußern. 1536 wurde durch eine Polizeiverordnung die Fastnacht mit ihren „Nachtsauffen, die Schwertdentzer und Mummereyen […] samt übermessigen Fressen, Sauffen, Dantzen“ erneut verboten.

Keine Fastnacht im Dreißigjährigen Krieg

Das 17. Jahrhundert war ereignisreich und hemmte die Ausübung der Fastnacht. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), französische Expansionen und die spanischen Erbfolgekriege verschlechterten die Bedingungen für das Fastnachttreiben. Es herrschte eine fastnachtfeindliche Stimmung im Stadtrat durch die Einflüsse der Jesuiten (Gegenreformation). Die Stimmung in Köln war geprägt von Unsicherheit und Unzufriedenheit. Erst mit dem Frieden von Rastatt wurde die Fastnacht wieder gefeiert.

Während den ‚tollen Tagen’ wurde die Arbeit niedergelegt, Straßenumzüge und –feiern sowie Bälle und Maskeraden prägten die Feierlichkeiten. An dem Sonntag vor Aschermittwoch wurden die Feierlichkeiten von den Kindern eröffnet. Montags und dienstags gingen die Erwachsenen zu Fuß und zu Pferd, begleitet von Musik, durch die Stadt. Die Zunftgesellen, etliche Bürger und sogar Studenten waren die Hauptträger der Fastnacht.

Karneval unter den Franzosen

Seit 1730 wurde in höfischen Kreisen die Redoute bekannt. Vorbild war die Ridotte in Venedig. Neben der Verkleidung gab es auch Tanz und Spiele. Teilnehmer waren der Adel. Die erste Redoute fand 1736 am Neumarkt statt. Mit der Eroberung der bürgerlichen Stände etablierte sich die Redoute als fester Bestandteil der Fastnachtsfeier.

Am 6. Oktober 1794 wurde Köln durch das französische Revolutionsheer besetzt, der Stadtschlüssel vom Bürgermeister übergeben. Es folgte zunächst 1795 ein radikales Verbot der Fastnacht durch den Stadtkommandanten General Daurier. „Den übelgesinnten, welche, gleich dem Kameleon, alle Farben annehmen, alle Gelegenheiten ergreifen, um die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören werden gewiß nicht ermangeln, das, was ihr Karneval nennet, zu benutzen, um einige Unruhe anzustiften, wovon die aristokratische Horde immer einigen Vorteil zu ziehen wissen werde“7 . Das Verbot galt also den Aristokraten. Alle Maskeraden, das Umherziehen durch die Gassen und Straßen wurde untersagt. Doch die Besatzungsmacht überzeugte sich nach und nach von der „Harmlosigkeit des Jeckentreibens“. 1800 wurde das Verbot des Karnevals wieder aufgehoben8 .

"Bellegeck" eine längst vergessene Tradition

Das gecke Bähnchen oder auch Bellegeck genannt, existierte seit dem 16. Jahrhundert und war ursprünglich der Kölner Pritschenmeister und eine Art Stadtnarr. Er entstammte dem Schützenwesen. Mit vielen Schellen (Bellen) und einer schwingenden Pritsche sowie einer Zitrone oder einem Apfel in der Hand, begleitet von Geigern, sprang er durch die Straßen, sprach vor den Häusern der Reichen seine Sprüche und verbreitete gute Stimmung. Dafür erhielt er einige Münzen. Er zog als Stadtnarr am Donnerstag vor Fastnacht umher und gab den Auftakt zur Fastnacht. In der Revolutionszeit war auch er verboten. Seit 1801 tanzte der Bellegeck wieder9 .

Literatur:

J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965.

H. Kühnel, Fastnacht, In: LexMa, München/Zürich 1989, Sp. 313-314.

M. L. Schwering, Kölner Karneval, Köln 1972,

1 Vgl. J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965, 93.

2 H. Kühnel, Fastnacht, In: LexMa, München/Zürich 1989, Sp. 313-314.

3 Vgl. M. L. Schwering, Kölner Karneval, Köln 1972, 25.

4 Vgl. J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965, 100. 

5 M. L. Schwering, Kölner Karneval, Köln 1972,34.

6 J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965, 101. 

7 M. L. Schwering, Kölner Karneval, Köln 1972, 44.

8 Vgl. J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965, 100-108.

9 Vgl. Ders., Kölner Karneval, Köln 1972, 46; weiterhin J. Klersch, Volkstum und Volksleben in Köln. Ein Beitrag zur historischen Soziologie der Stadt, Bd. 1, Köln 1965, 106ff.