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Mauern der römischen Geschichte

Der Römerturm

Der Römerturm war einer der ehemals 19 runden Türme der großen claudischen Stadtmauer, die mit fast vier Kilometer Ausdehnung das Gebiet der CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) umschloss. Noch heute kann man im Stadtbild des heutigen Köln die Ausdehnung der römischen Stadtmauer ausmachen. Die Bauweise der Mauer zeigt ein einheitliches Bild: Über einem bis zu 3 m hohen Fundament erhob sich die Mauer in 2,40 m Breite und mindestens 7,8 m Höhe. Außen wie innen wurde eine Wand aus Grauwackquadern errichtet und der Zwischenraum schichtweise mit opus caementicium, dem äußerst langlebigen römischen Beton gefüllt. Vor der Mauer lag ein 9- 12 Meter breiter Graben mit einer Tiefe von 3 - 4 Metern. Es gab 9 Stadttore und 19 Runde Türmen, die bis auf vier bekannte Ausnahmen alle nach einem Entwurf gebaut wurden. Eine dieser Ausnahmen ist der Römerturm, der als gut erhaltener Teil, der Stadtmauer zu einem der bedeutendsten römischen Denkmäler zählt.

Er steht an der ehemals Nordwestlichen Ecke der Mauer und zeigt noch heute die original Verzierungen im Mauerwerk.

In der gut erhaltenen Turmwand aus Grauwacke, weißem Kalksteine und grauen Trachyte, die in geometrischen Mustern angelegt sind, befinden sich kunstvolle Verzierungen, wie Rosetten, Halbrosetten und Dreiecken.

Warum ein Festungsturm mit einer militärischen Funktion solch eine kunstvolle Ausschmückung bekam, kann heutzutage nur vermutet werden.

Eine dieser Vermutungen ist, das die Römer den vor der Stadtmauer lebenden Germanen zeigen wollten, welch Vorteile eine wohlorganisierte und kulturelle Stadt wie Köln hatte .

Im Mittelalter wurde der Römerturm, im Zuge der Stadterweiterung, in das Franziskanerinnen Kloster St. Clara integriert (die römische Stadtmauer wurde als Immunitätsmauer genutzt) und zur Abortanlage degradiert. 

So beschämend diese Funktion für den Römerturm auch war, so hat sie ihn vor dem sicheren Abriss bewahrt, der sonst überall, zwecks Steingewinnung an den alten Römerbauten vorgenommen wurde.

In der Franzosenzeit fiel das Kloster der Säkularisierung zum Opfer und im Jahr 1833 wurde der Römerturm aufgestockt, umgebaut und als Wohnhaus benutzt. Als dieses 1873 abgerissen werden sollte, rettete die Stadt Köln den Römerturm in dem sie ihn für 19 000 Goldtaler erwarb. Die Stadt reduzierte den Turm wieder auf seine antike Größe und setzte ihm die noch heute sichtbaren Zinnen auf. 1898 beauftragte die Stadt Köln den Architekt Carl Moritz ein neugotisches Haus an den Turm anzubauen, in dem lange Zeit die Dombauverwaltung untergebracht war.

Seit 1984 sind Haus und Turm wieder im privaten Besitz und werden seither von einer Kunstgalerie genutzt.

Lange Zeit ging man davon aus, dass der Römerturm in der Römerzeit mindestens doppelt so hoch gewesen sei, wie heute. Diese These ist mittlerweile widerlegt und wir wissen, dass die heutige Straßenhöhe nur etwa 20 cm über der Oberkante des Turmfundaments liegt. Deshalb sehen wir den Römerturm so, wie ihn schon die Römer sahen.

Verfasst von Christine Schauerte

Literatur:

Gerta Wolff, das römische- germanische Köln. Köln 2005, Seite 156/ 157 

 Foto von VollwerBIT