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Bayernfenster im Kölner Dom

Ein Geschenk des Bayernkönigs Ludwigs

Die Bayernfenster sind eine Reihe von fünf Fenstern im südlichen Seitenschiff des Kölner Doms. Der Bildzyklus der Bayernfenster’, schildert von Westen nach Osten die zentralen Ereignisse der Erlösungsgeschichte. Es sind fünf bekannte Szenen aus der Anfangszeit des Christentums. Beginnend mit Johannes dem Täufer, wie er in der Wüste seine Predigt hält und endend mit Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer.

Die großen Bildfenster, die König Ludwig I. von Bayern dem Kölner Dom zur 600-Jahr-Feier der Grundsteinlegung schenkte, riefen nach ihrem Einbau im August 1848 große Bewunderung, ja echtes Erstaunen hervor. Angefertigt wurden sie unter der Leitung von MAx Emmanuel Ainmiller (1807-1870) und entworfen von den Künstlern Heß, gemalt von Fischer (die drei mittleren) und Hellweger (die beiden äußeren Halbfenster). Durch die Königlich Bayrische Anstalt in München, die die Fenster in sechsjähriger Arbeit hergestellt hatte, schien die Kunst der Glasmalerei des Mittelalters, die man endgültig verloren glaubte, nicht nur wiedergewonnen, sondern sogar noch übertroffen. Statt nur fünf oder sechs verschiedenen Glasfarben konnte man nun Gläser in über 40 Tönen herstellen, und auch die malerische Behandlung übertraf alles, was man bisher gesehen hatte.

Aber wie schuf man im Mittelalter diese Fenster?

Aus dem jeweiligen gefärbten Glas schnitt man Scheiben aus, die mit Schwarzlot bemalt wurden, welches man verschieden stark auftrugt, so dass viele Schattierungen möglich waren. Im 19. Jahrhundert konnte man jedoch nicht nur Glas in sehr viel mehr Farbtönen herstellen, sondern auch praktisch alle Farben aufmalen. Auch hatte man bereits im Mittelalter übliche Herstellung von Überfanggläsern verfeinert, mit der man ein Glas mit einer dünnen Schicht andersfarbigen Glases überziehen konnte. Der Überfang ließ sich wegätzen, so dass man zwei Farben auf einem Glasstück erhielt.

Insgesamt umfasst der Zyklus fünf Fenster, davon zwei schmale mit je vier Bahnen und drei breite mit vier Bahnen. In diesen drei mittleren Fenstern ist das Erlösungswerk Christi dargestellt, wie es sich in den großen Festen des Kirchenjahres wiederspiegelt. Für den Weihnachtsfestkreis steht die Anbetung des Christuskindes durch die Hirten und die Heiligen Drei Könige. Die Passion wird durch die Abnahme Christi vom Kreuz und seine Beweinung vorgestellt. Zuletzt wird die Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest gezeigt. Die schmalen Fenster sind Johannes dem Täufer, dem Vorläufer Christi, und dem heiligen Stephanus, dem ersten Blutzeugen gewidmet.

Schon um 1870 setzte die Kritik an den Bayernfenstern an. Die strengen Neugotiker bemängelten ihre übergroße Perfektion und ihre Vielfarbigkeit. Auch im 20. Jahrhundert wurden sie zunächst völlig abgelehnt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann man die großartigen Werke, die aus der Münchener Glasmalereischule hervorgingen, wieder zu schätzen. Sie gehören zum Besten, was jemals in dieser Kunstgattung geschaffen wurde.

Predigt Johannes der Täufer„Predigt Johannes des Täufers in der Wüste“

Das westliche Halbfenster zeigt die Predigt Johannes des Täufers in der Wüste. Darüber sieht man in zwei Bildern die Geschichte seiner Geburt. In den oberen Medaillons sind Kölner Lokalheilige und Stadtpatrone dargestellt, in den unteren Medaillons christliche Herrscher.

Ganz unten sind das bayerische Wappen und die Stifterinschrift König Ludwigs I. von 1847 angebracht. Eingesetzt wurde das Fenster zum Domjubiläum 1848.

Hoch aufgerichtet steht Johannes, der heilige Asket, in der linken Bildhälfte. Er predigt vor seinen Zuhörern in der Wüste. Diese lauschen teils andächtig, teils aber blicken sie auch sehr skeptisch drein. Man glaubt das Wort der Schrift zu hören: Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Saduäzer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? (Mt 3,7). Johannes hält eine Fahne in der Hand, auf der man „Ecce“ lesen kann, was „Siehe“ bedeutet. Dies ist ein Hinweis auf seinen Ausspruch „Siehe das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt“ (Jo 1,29). Damit meinte er Jesus, der sich von ihm taufen ließ. (links außen, 2er bild)

Anbetung des Jesusbaby „Anbetung der Hirten und Könige“ (München 1842-1847)

Das Konzept für die Gestaltung der fünf Bayernfenster geht auf Sulpiz Boisserée zurück. Formal ging dieser dabei von den Renaissance-Fenstern der Nordseite des Domes aus, inhaltlich aber folgte er der Theologie seiner Zeit, die das Erlösungsgeschehen mit den drei großen Festen des Kirchenjahres verband. So sehen wir im ersten dieser drei Fenster den Weihnachtsfestkreis, hier versinnbildlicht durch die Anbetung durch die Hirten und gleichzeitig, was unsere Aufmerksamkeit verdient, durch die Heiligen Drei Könige. Vorausgesagt wurde das Kommen des Erlösers durch den Propheten Isaias, Jeremias, Ezechiel und Daniel, die im unteren Teil des Fensters stehen. Über dem Mittelbild erscheint in kleinerem Maßstab und in Grisaille-Malerei die Standfiguren der großen Gestalten des Alten Bundes: Abraham, Noah, David, Salomon, Jakob und Isaak. In den Sockeln der Pfeiler, die den goldglänzenden Baldachin stützen, weisen eine Inschrift und ein Wappen auf dem königlichen Stifter hin. (2. von links)

„Abnahme Christi vom Kreuz“ (1842-1848)

Im Mittelfenster ist nicht die Kreuzigung Christi dargestellt, sondern seine Beweinung nach der Abnahme vom Kreuz. Sie folgt nicht ganz dem Text der Evangelisten, die unter der Hauptszene stehen, sondern einer altchristlichen Überlieferung. Man glaubte, dass man den toten Christus in den Schoss seiner Mutter gelegt habe. Das Mittelalter hat daraus den Bildtypus der Pieta geschaffen, meist als plastisches Werk (die berühmteste und schönste Pieta von Michelangelo steht im St. Petersdom in Rom). Natürlich hätte diese Szene in die Mitte gehört, doch hier steht der steinerne Pfosten, der das Fenster teilt. Geschickt wird durch die Blickrichtung der umstehenden Personen Maria mit dem verstorbenen Christus in den Mittelpunkt gerückt, während das leere Kreuz im Hintergrund aufragt. Oberhalb sieht man das letzte Abendmahl, daneben Bilder von Ereignissen nach der Auferstehung. Rechts Maria Magdalena, der Christus im Garten erscheint, und links der ungläubige Thomas, der seine Hand in die Seitenwunde Christi legt.

„Das Pfingstwunder“ (1842 1848)

Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet Lukas: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen Ihnen Zungen wie von Feuer, sie sich verteilten, auf jeden von ihnen ließ sich ein nieder. Genau so stellt es das Glasgemälde dar. Das Erscheinen des Heiligen Geistes ist nur an den Strahlen sichtbar, die hinter dem Steinpfosten hervortrete. Auf allen Köpfen lodern Flammen. Wiederum ist Maria in der Mitte zu sehen. Neben ihr befindet sich Petrus, der deutlich hervorgehoben ist. Er wird Christus bezeugen und dazu aufrufen, ihm zu folgen. Damit erfüllt er den Ruf des Herrn, der ihm die Schlüssel des Himmelreiches mit den Worten übergab: Du bist Petrus. Auf diesen Fels werde ich mein Kirche erbauen (Mt 16,18).1

„Gregorius und Ambrosius“ (Nebenszene unten rechts im Fenster „Pfingstszene“)

Alle drei großen Fenster zeigen unten je vier Gestalten, die Aussagen zum Geschehen auf dem Hauptbildern gemacht haben. So sehen wir bei der Anbetung vier Propheten, die das Kommen des Erlösers vorhersagten, und bei der Kreuzabnahme die vier Evangelisten, denen wir die Berichte über das Leben Jesu verdanken. Dem Pfingstfenster sind die großen lateinischen Kirchenväter beigefügt. Sie verkörpern gleichzeitig wichtige kirchliche Ämter. Der hl. Augustinus ist als Mönch dargestellt, der hl. Ambrosius als Bischof, Hieronymus als Kardinal und Gregorius als Papst. Je höher der kirchliche Rang, desto aufwändiger sind die Gewänder gestaltet. Für die Glasmaler war dies ein willkommener Anlass, all ihr Können zu zeigen. Mit unglaublicher Kunstfertigkeit werden Gewandmuster ins Bild gesetzt, so das man glauben könnte, Photos der Stoffe zu sehe. Besonders bei Gregorius scheint die Wiedergabe der Muster des Mantels mit seinen Figurenbordüren keine Grenzen zu kennen.

„Steinigung des hl. Stephanus“ (1842-1848)

Der Kölner Dom hat eine Stephanus-Kapelle, die erste Chorkapelle auf der Südseite. Hier gibt es ein Wandgemälde, das die Steinigung des Stephanus zeigt und gleich daneben das (gotisch gesehene) Gerokreuz. In dieser Kapelle ruht der Sarkophag des Erzbischofs Gero. Der Sinn dieser Zusammenstellung ist klar: Stephanus steht als erster aller Märtyrer direkt neben dem Kreuz Christi. Auch der Fensterzyklus folgt dem historischen Geschehen. Gleich nach dem Jubel des Pfingstfestes bricht dir raue Wirklichkeit über die junge Kirche herein. Stephanus, soeben als Diakon gewählt, wird verleumdet und gesteinigt. Das Glasgemälde zeigt die Szene nach Apg 7,57-60. Stephanus, angetan mit dem Gewand des Diakons, ist zu Boden gesunken. An seinem kahl geschorenen Kopf ist bereits eine Wunde zu erkennen. Ein roher Geselle hebt gerade einen schweren Stein, um ihn auf das Opfer zu schleudern. Daneben sieht man einen vornehm gekleideten Schriftgelehrten. Er hält einen Stein in der rechten Hand und weist mit der linken auf Stephanus.

„Der heilige Apollinaris“ (Nebenszene in dem Fenster „Steinigung des heiligen Stephanus“) (1842-1848)

Wie bei mittelalterlichen Fenstern sind auch bei dem Bayernfenstern den Hauptdarstellungen zahlreiche Nebenszenen beigefügt. Unterhalb der Steinigung des hl. Stephanus sind Brustbilder von Heiligen zu sehen, die im Dom verehrt wurden. Unter diesen befand sich auch Apollinaris, der als der erste Bischof von Ravenna bezeichnet wird. Er lebte wohl um 200 n. Chr. Eine Legende erzählt, dass er mit dem Apostel Petrus von Antiochia nach Rom gekommen und von ihm nach Ravenna gesandt wurde, ist eine Legende. Seine Reliquien wurden schon früh in Ravenna verehrt. Über dem Grab und in der Nähe des Hafens von Ravenna wurde eine prächtige Basilika errichtet (Sant’ Apollinare in Classe). Eine weitere in der Stadtmitte, wohin man im 10. Jahrhundert seine Gebeine überführte.

Im Jahre 1164 brachte Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln, sie wohl zusammen mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige aus Italien mit. In Remagen (südlich von Bonn) wurden sie in das Kloster Apollinarisberg übertragen. Die heutige Kirche St. Apollinaris in Remagen wurde im 19. Jh. unter dem Kölner Dombaumeister Ernst Zwirner errichtet. Bis heute wird Apollinaris in Remagen verehrt (Fest 23. Juli).

Einige Reliquien des Apollinaris raubte 1383 Herzog Wilhelm I. und brachte sie nach Düsseldorf. Dort gibt es den Apollinarisschrein in der Lambertuskirche.

ttp://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Apollinaris_von_Ravenna.html

Apollinarisschrein, 1665, in der Lambertuskirche in Düsseldorf

Apollinaris wird meistens dargestellt, stehend auf einer Wolke, mit einem weißen Gewand mit schwarzem Kreuz, mit Ähren, weil er eine Hungersnot abgewendet hatte und mit der Keule, welche auf sein Martyrium hinweist.

Literatur

Paul Clemen, Der Dom zu Köln (Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1, III) Düsseldorf 1938, 207.

Harald Friese, Der Kölner Dom, 230-232, Köln.

Arnold Wolff, Der Dom zu Köln, Köln 1995.

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Die Glasmalereien des 19. Jhs. zeigen ganz andere Zerfallserscheinungen als die mittelalterlichen Scheiben am Kölner Dom. Die fünf sogenannten Bayernfenster, von 1842 bis 1848 eingesetzt, sind die bedeutendsten dieser Epoche. Hier verwittern vor allem die in zahlreichen Arbeitsgängen innen und außen aufgebrachten Malfarben. Außerdem gab es zahlreiche Kriegsschäden, die durch nicht rechtzeitiges Ausbauen und mehrfaches Umlagern der Transportkisten hervorgerufen wurden. Diese Scheiben wurden ebenso wie das Görres-Fenster von 1854 und das Fenster mit der Darstellung des "Apostelkonzils" von 1875 hinter Schutzverglasungen montiert. Das Mittelfenster der Bayern-Serie, die "Kreuzabnahme", war das erste am Kölner Dom, das eine Schutzverglasung erhielt (Entwicklung: H. Kusche und A. Wolff, 1976). Dafür musste ein spezielles Montageverfahren entwickelt werden. Wegen der ungewöhnlichen Größe der Domscheiben konnte die übliche Technik, lange Bolzen in die Windeisen zu schrauben, nicht angewandt werden. So wurden Winkelprofile aus rostfreiem Stahl neben den Pfosten angebracht, die die in Messingrahmen gefassten alten Scheiben im Abstand von acht cm hinter der modernen Verbundglasscheibe festhalten.2

1 Eigentlich hieß Petrus Simon und war ein Fischer am See Genazareth. Jesus nannte ihn auf aramäisch Kephas, was Fels bedeutet und auf griechisch Petros heißt (Jo 1,42). Petrus erhielt von Christus die Schlüssel des Himmelreiches (Mt 16,18) und wurde so zu seinem Stellvertreter auf Erden. Vgl. Otto Wimmer/ Hartmann Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen, Hamburg 2002, 143.

2 Dies stammt nicht aus meiner Feder. Ich habe es so im Internet gefunden und dachte es passt ganz gut.