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Heilige St. Martin 

Martinsgans und Zuckerbrezeln

Martinsbräuche in Köln - „Im Rheinland wird der einbrechende Winter gleich doppelt gefeiert“.1 Der Martinstag ist ein vielseitiger Festtag, der vieles vereint. Nicht nur von der Kirche wird Sankt Martin verehrt und gefeiert, sondern auch von den Bauern, die noch heute sagen, das er einen wichtigen Tag im Bauernkalender markiert. Das Martinsfest ist auch der Start der Karnevalsession in Köln und anderen rheinischen Städten. Die Entstehungsgeschichte der Martinsbräuche ist noch heute lebendig und geht auf das 4.Jahrhundert zurück. Seinen Namen hat der Martinstag vom heiligen Martin, dem Bischof von Tour. Geboren wird der spätere Bischof um das Jahr 316 in Sabaria, im heutigen Ungarn. Seine Familie stammt aus Italien. Sein Vater war von hohem Rang in der römischen Armee. Martin wurde schon früh Soldat und wurde schließlich mit seiner Legion nach Gallien, dem heutige Frankreich, verlegt.

Der heilige Martin wird der erste Heilige, der keinen Märtyrertod gestorben ist. Der Tag seiner Verehrung wurde auf seinen Todestag, den 11. November festgelegt.

Der Bischof Martin von Tours schien mit dem Kölner Bischof Severin befreundet gewesen zu sein.

„Zu Zeiten des Kölner Bischofs Severin […] galten Prozessionen durch die Gemeinde als üblicher Brauch des Christentums. Als Bischof Severin seine Gläubigen an einem 11. November betend und singend durch die Straßen der Kölner Altstadt führte, geschah etwas Wunderbares. Plötzlich erklang ein himmlischer Jubelchor, ein Freudengesang, wie von Engelszungen. Bischof Severin und seine Gemeinde richteten den Blick gen Himmel, blieben wie gespannt stehen und priesen das wunderbare Geschehen. Später stellte sich heraus, dass in diesem Moment der Bischof Martin von Tour gestorben war. Alle glaubten, dass die bezaubernden Töne die Begrüßungsmusik für den Heiligen im Himmel gewesen sei. St. Martin zu Ehren wurde an diesem Ort die Groß St. Martin Kirche errichtet“.2

Martin wurde wegen seines heroischen Lebens heilig gesprochen, der Frankenkönig Chlodwig (482-511) erhob Martin zum Nationalheiligen und Schutzherrn der fränkisch-merowingischen Könige. Der Mantel des Hl. Martin (lat. Cappa) gehörte zum Kronschatz der merowingischen Könige und reiste mit dem Hofstaat von Pfalz zu Pfalz. Aufbewahrt wurde diese Mantelreliquie in den Kapellen der Kirche. Diejenigen Geistlichen, welche die so genannte Cappa begleiteten, die Kapellane, konnten lesen und schreiben und widmeten sich neben den geistlichen Aufgaben auch dem Amt des Hof- und Urkundenschreibers.

Martin und der Bettler

In der bekanntesten Legende des heiligen Martin reitet er an einem bitterkalten Winterabend auf dem Weg ins Truppenlager südlich von Paris. Da fleht ihn ein Bettler um eine milde Gabe an. Martin zögert nicht lange, zieht sein Schwert und teilt seinen Armeemantel in zwei Hälften. Die eine Hälfte gibt er dem fast erfrorenen Bettler, die andere behält er für sich.

In der Nacht aber erscheint ihm Christus im Traum, gekleidet in den halben Mantel, dem Martin dem Bettler gegeben hat. Der Bettler war Jesus, der Martin auf die Probe stellte. Martin war sehr bewegt und konvertierte zum christlichen Glauben. Seine milde Tugend den Ärmeren und Schwächeren zu helfen und mit ihnen zu teilen macht ihn zu einem christlichen Symbol. Martin soll dem Kaiser bei Verlassen der Armee gesagt haben: „Bisher hab ich dir gedient: Nun werde ich nur noch Christus dienen“.

Martin und die Gänse

Martin gründete darauf eine Einsiedelei auf der Insel Gallinaria im Golf von Genua.

Als man beschlossen hatte Martin zum neuen Bischof von Tour zu ernennen, versteckte sich Martin in einem Gänsestall. Diese aber verrieten ihn durch ihr Geschrei und Geschnatter. So wurde Martin zum Bischof. Angeblich sind noch am selben Abend die Gänse zur Feier des Tages verspeist worden.3

Allerdings gibt es für den Gänsebraten am Martinstag noch eine weitere Erklärung. Im Mittelalter wurde an diesem Tag, dem 11. November, die Gänsesteuer fällig. Die Bauern mussten ein Zehnt ihrer Gänse an den adligen Herren abgeben. So wird deutlich, warum es an diesem Tag überall Gänsebraten zu essen gab.4

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir...

Die Martinsumzüge mit Lichtern und Laternen scheinen eine Mischung aus bäuerlicher Tradition (Wintereinbruch) und Gedenktag an Sankt Martin zu sein. Denn am Ende des Erntejahres brannten die Bauern früher auf den Feldern große Strohfeuer an, an denen die Kinder ihre Kerzen in ausgehöhlten Kürbissen, Fackeln oder Laternen entzündeten und dann einen Lichterzug bildeten. Dann zogen sie meistens in Begleitung ihrer Eltern von Haus zu Haus, sangen Lieder und erhielten Süßigkeiten dafür.

Allerdings soll der Kinderzug mit seinen leuchtenden Lampions an den Heiligen Martin erinnern, der aus Mitleid zu einem Bettler seinen Mantel zerteilte. Oftmals reitet heute ein Sankt Martin auf weißem Pferd und mit einem roten Mantel dieser „Kinderprozession“ voraus. Die berühmte Szene mit dem Bettler wird nachgespielt. Am Ziel angekommen, sitzt dort ein Bettler und die Kinder stellen sich kreisförmig um den Bettler herum und singen in Köln „Dä hellije Zinter Mäetes“. Später ziehen auch diese Kinder von Haus zu Haus, um von den Anwohnern Süßigkeiten, Nüsse und Früchte zu erbitten. Zu Hause wartet schon die Martinsgans auf die Kinder, als Abschluss des Festes.5

Heilige für Handwerker

Martin war bei den einfachen Leuten sehr beliebt. Als der Bischof von Tour stirbt, setzten sie ihn gegen den Widerstand anderer Bischöfe und auch gegen Martins eigenen Bedenken auf den Bischofsstuhl. Martin starb auf einer Pilgerreise am 11. November 397 mit 81 Jahren. Kurze Zeit später wurde er heilig gesprochen. Viele Handwerksberufe haben Martin zum Schutzpatron gewählt: Winzer, Fassmacher, Huf- und Waffenschmiede, Weber, Schneider, Bürstenbinder, Gerber, Hirten, Hutmacher und Müller. Er ist der Patron der Bettler, der Soldaten und aller Haustiere.

Ein Martinslied

Sankt Martin, Sankt Martin,

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,

Sein Ross, das trug ihn fort geschwind.

Sankt Marti ritt mit leichtem Mut,

Sein Mantel deckt’ ihn warm und gut.

Literatur:

Roman Mensing, Martin von Tours, Düsseldorf 2004.

Ursula Klinkhammer, Laternen, Krippen, Königskuchen, Köln 1996,

1 Ursula Klinkhammer, Laternen, Krippen, Königskuchen, Köln 1996, 8.

2 Dies., Laternen, 8.

3 Dies ist nur eine Variante der Legende. In einer anderen Version versteckt sich Martin vor Angst in einer Grotte voller Gänse auf der Insel Gallinaria, nachdem ihm Gott hat wissen lassen, dass er ihn zum Bischof von Tour auserwählt hatte. Nachzulesen bei Ursula Klinkhammer.

4 Vgl. Ursula Klinkhammer, Laternen, 12.

5 Ursula Klinkhammer, Laternen, Krippen, Königskuchen, Köln 1996,