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Die Bestattung bei den Römern

Bestattungen, Beerdigungen, Totengötter und Totenkult. Hier können Sie nachlesen, wie die antiken Römer Ihre Toten beerdigten.

Einige Kernbegriffe im Zusammenhang mit dem Tod bei Griechen und Römern[1]

Acheron, wie Styx oder Kokytos, der Totenfluss, im griechischen und römischen Denken die Grenze zur Unterwelt. Die Römer prägten den Begriff: Regna Acherusia, das Totenreich. Das Totenreich wurde in Richtung Sonnenuntergang lokalisiert, im Westen des bekannten Erdkreises. Den Fährmann Charon, für den man den Obolos (Totenmünze, der Lohn für die Fährdienste Charons) bereithalten musste, stellte man sich als hässlichen, furchteinflössenden Mann vor. Die Seelen der Toten wurden dem Charon durch eine Personifikation des Hermes (Hermes Psychopompos) zugeführt, der sie dann über den Acheron in den Hades brachte.

Hades, auch Aides, Aidoneus, später auch Polydegmon (der, der viele aufnimmt) genannt, war eigentlich ein Gott, Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus, Poseidon, Hera, und Demeter, Gatte der Persephone. Er bekam bei der Teilung der Welt (unter ihn und seine Brüder Zeus und Poseidon) die Unterwelt. Dort herrschte er mit seiner Gattin über die Seelen. Bei den Römern vermischte sich Hades mit Pluto, dem unterirdischen Gott des Reichtums. Später wurde unter Hades allgemein die Unterwelt verstanden. Ursprünglich war dem Hades (als Gott) in Elis ein Tempel geweiht.[2]

Lemuren nannten die Römer die bösen Geister der Toten, die im Gegensatz zu den guten Geistern, den Laren und Penaten, als Gespenster und Dämonen auftauchten. Sie wurden durch Riten, die Lemuria (Fasten), beschwichtigt

Parzen waren die drei altrömischen Geburtsgöttinnen, Nona, Decima und Morta. Letztere war verantwortlich für die Länge des Lebensfadens. Die Parzen entsprachen in etwa den griechischen Moiren.

Psyche[3] (Hauch, Atem) ist im griechischen Denken die unsterbliche Seele im Gegensatz zum sterblichen Körper / Leichnam (soma). Psyche ist im homerischen Denken (8. bis 10. Jahrhundert v. Chr.) nur die Seele des Verstorbenen. Der Sitz der Seele ist unbekannt. Sie verlässt den Körper durch den Mund oder eine Wunde. Die Seele tritt während des Lebens nicht in Erscheinung, entwickelt ihre Wichtigkeit erst mit einsetzendem Tod. Nach dem Tode begibt sich das körperlose Abbild des Verstorbenen, eidolon, in den Hades. Die Seele im Hades ist ein gefühl- und vernunftloses Schattenbild des Verstorbenen ohne Erinnerungsvermögen, kraft- und gedankenlos. Ein Mythos besagt, das Blut den Seelen wieder Leben einhaucht. Odysseus opferte bei seinem Besuch in der Unterwelt zwei Schafe. Da strömten Seelen herbei, um das Blut der Tiere zu trinken.

Gemäß verschiedener Lehren hatte die Seele körperliche Attribute, wurde jedoch als grenzenlos mit göttlichem Ursprung (bei Heraklit) gedacht. Die Seele wurde bereits im Schlaf (Träume) aktiv, jedoch erst richtig im Tod. Pythagoräer / Orphiker glaubten, dass sich die Seele unter bestimmten Bedingungen vom sündigen Körper lösen könne. Dies suchten sie durch Fasten, Meditationen und Reinigungsrituale zu erreichen. Den Pythagoräern und Orphikern war zudem die Theorie der Seelenwanderung in andere Körper und Gestalten gemeinsam. Allerdings wurde der strenge Dualismus von göttlicher Seele und sündigem Körper nicht von allen (so Aristoteles) geteilt. Besonders bei den Römern galt der Spruch Juvenals:   „ Mens sana in corpore sano“!!!

Thanatos ist bei den Griechen zusammen mit Hypnos (Schlaf) Sohn der Nyx (Nacht). Sein Wesen schwankt zwischen Gottheit und Dämon, er wurde nirgends stringent mit einem Kult versehen, ist dann im Volksglauben zum Totengott geworden und später mit Charon verschmolzen. Die Stätte seiner Veehrung lag in Sparta.[4] Thanatos wurde in der Antike als alter, bärtiger Mann mit Flügeln dargestellt, oft zusammen mit Hypnos. Thanatos, der Tod, wurde nicht selten als Freund aufgefasst. Die die römischen Todesgenien haben mit Thanatos jedoch nichts gemeinsam. Dies sind trauernde geflügelte Knaben mit umgekehrter Fackel. Sie sind im „rein“ römischen Sinn Trauereroten und verkörpern eine Stellung zwischen Liebe und Tod, haben die mythische Funktion der Seelenträger, bringen die Psyche in den Himmel zur ewigen Liebesvereinigung.

Römische Totengeister

Im Gegensatz zu den Griechen kannten die Römer in ihrer Frühzeit keine sonderlich ausgeprägten Vorstellungen vom Jenseits. Ebenso wenig adaptierte römisches Denken das ausgeprägte Jenseitsbild der Etrusker.[5]

Frühe römische Jenseitsvorstellungen sind kaum zu rekonstruieren. In der späten Republik schien es zu einer Erstarrung und Konventionalisierung der Totenbräuche gekommen zu sein, weil der ursprüngliche Sinn der uralten Riten selbst den Gelehrten Rätsel aufgab. Frührömische Vorstellungen gehen wohl nicht von einer jenseitigen Welt aus, ebenso wenig schienen Totengötter (außer die schwer interpretierbare Gottheit Veiovis) zu existieren. Die Römer übernahmen im 3. Jahrhundert v. Chr. schließlich den griechischen Hades als in der form des dis Pater als Totengott.[6]

War das griechische Denken geprägt von einer individuellen Seele, so erschien den Römern eine Existenz im Jenseits nur in entpersönlichter Form möglich. Die Geister existierten in einer anonymen Masse ohne Hoffnung (oder Erwartung) auf geistige Erlösung. Im römischen Denken waren die Toten Geistwesen, wovon die guten Geister, die divi parentum, der Familie wohlgesonnen waren. Es waren die Totengeister der eigenen Familie, die man sich im Kollektiv fern jeder Persönlichkeit dachte. Sozial schwächere Schichten oder gar Sklaven besaßen keine ausgeprägte Kultur der Großfamilie, kannten daher keine direkten Familiengeister, wohl aber die sogenannten di manes, welche etwa gleichbedeutend mit den divi parentum als gute Totengeister angesehen wurden, allerdings nicht den direkten Familienbezug hatten.[7]  

Neben den guten Geistern, zu denen auch die laren und penaten gehörten, existierten jedoch die lemures oder larvaes, Schreckgespenster der Nacht, die „bösen“ Toten. Sie konnten des Nachts umgehen und Wahnsinn erzeugen.

Um die Totengeister günstig zu stimmen, sahen es die Römer als wichtig an, die Gräber regelmäßig zu besuchen und diese mit Blumen zu schmücken. Grabschändung war ein strafbares Delikt.[8] An bestimmten Festtagen, den parentalien gedachte man der divi parentum, andere Feiern, die lemuria, waren zur Beschwichtigung der bösen Geister angesetzt.

Allerdings kann bei Römern wie bei Griechen von einer sehr dem Diesseits zugewandten Kultur ausgegangen werden, sodass ein übermäßiges Nachdenken über die Totengeister und deren Beschaffenheit nicht angenommen werden kann. Es galt gleichsam die Sphäre des Todes zu achten, jedoch nicht in zu starkem Maße in das Leben hineinwirken zu lassen. Den Geistern zu sehr anzuhängen galt als abergläubisch. Ebenso sollte der Grabkult die Alltäglichen Geschäfte nicht übermäßig stören.[9]  

Düsteres Schattenreich oder Insel der Seligen – Die ungeklärte Frage nach dem Jenseits

Wie bereits angedeutet, waren die frühen römischen Vorstellungen von einem Leben nach dem Tode vermutlich nur rudimentär vorhanden. Zusätzlich erschwerend für eine wesentliche Rekonstruierung der damaligen Gepflogenheiten und Denkweisen ist das Fehlen schriftlicher Quellen. Die antike Religion war zudem keine Buchreligion im Sinne des späteren Christentums oder des Islams, die durch Bibel und Koran wesentlich homogenere Strukturen des Kultes entwickeln konnten.  

So ist es bereits nicht eindeutig feststellbar in wie weit Körper- oder Feuerbestattungen mit den Jenseitsvorstellungen in Verbindung standen. Beide Arten der Bestattung existierten im römischen Reich parallel, obwohl ab dem frühen 2. Jahrhundert nach Christus die Kremation zurückgedrängt wurde.[10]    

Grundsätzlich kannte die Antike eine große Pluralität an Vorstellungen und Bräuchen, die sich überschneiden und durchdringen konnten. Der große christliche Problemkreis von sündigem Diesseits, Paradies und strafender Hölle war noch nicht verinnerlicht, obwohl bei Cicero die jenseitige Bestrafung für im Leben begangene schlechte Taten bekannt ist.[11] 

Trotz dieser relativen Ignoranz gegenüber dem Jenseits änderte sich die Situation sicherlich, als zumindest die gebildeten Schichten mit griechischem Denken in Berührung kamen. Vereinfacht gesagt existierten dort drei wesentlich unterscheidbare Modelle:[12]

Der trostlose Hades war ein Schattenreich unter der Erde. Er war durchweg freudlos und dunkel. Dort existierten die Seelen als kraftlose Wesen ohne Gedächtnis. Wer den Hades betrat, hatte die Wasser der Lethe (die Wasser des Vergessens) durchschritten und tauchte ein in völlige Amnesie. Diese Vorstellungen entsprangen der griechischen Zeit homerischen Denkens des 8. bis 10. vorchristlichen Jahrhunderts.

Mit Pythagoras (ca.580-496 v. Chr.) und den Orphikern änderte sich dieses Bild. Die Seele wurde entschieden individuell gedacht, konnte Gottgleichheit erlangen. Dazu ähnlich verbreiteten sich die Demeter- und Dionysosmythen, von deren Geheimkulten (Eleusis) sich die Mitglieder einzukünftiges Leben in paradiesischen Zuständen versprachen. Diese Kulte waren über alle sozialen Grenzen hinweg beliebt und vereinten Frauen und Männer, Freie und Sklaven gleichermaßen. Die Hoffnung auf ein Elysium, die Insel der Seligen war ungleich angenehmer als die Bilder des grauen Hades.

Demgegenüber entwickelte sich mit Epikur von Samos (314-279 v. Chr.) eine rationale Einstellung, die eine jenseitige Existenz völlig verwarf.

Welche dieser Vorstellungen letztlich überwogen, und ob dazu parallel nicht näher bekannte Volkskulte bestanden, ist nicht völlig zu klären. Aus den Quellen des gehobenen Bürgertums mit philosophischem Hintergrund ist jedoch eine skeptischer Tenor gegenüber allen Modellen zu verspüren.[13]

Zwischen Entsorgung und Prunk - Die römischen Totenriten[14]

Gleich den Bräuchen anderer Gesellschaften erscheinen die römischen Totenriten sozial differenziert. Zunächst einmal muss betont werden, dass Sterben und Tod in der Antike ein allgegenwärtiger Vorgang war. Schlachten, Seuchen und allgemein härtere Lebensbedingungen ließen den Tod für die damaligen Menschen nicht aus dem Blickwinkel geraten.[15] Eine verhältnismäßige Normalität des Todes drückte sch auch im frührömischen Fehlen spezieller Totenpriester aus.[16] Festgelegte Liturgien sind nicht bekannt und es ist wahrscheinlich, dass die Toten durch die nächsten Angehörigen bestattet wurden.

Allgemein sind aus der Römerzeit Bräuche überliefert, die den Zusammenbruch des Imperiums durchaus überlebten und in ihrem Ablauf für die Bestattung nach christlichem Ritus ebenso typisch wurden. Dazu zählt die Aufbahrung des Toten (collocatio), das Waschen und Salben der Leiche sowie bestimmte Gebete. Diese im römischen Sinn eher als Gesänge bezeichneten Texte trugen die Bezeichnung neaniae.

Spezifisch war zudem die Totenklage. In der Regel übernahmen Verwandte die Klage. Für wohlhabende Schichten sind professionelle Sänger und Klageweiber bezeugt. Ebenso sind Fackelträger bezeugt. Totenklagen und Aufbahrungen konnten drei bis sieben Tage dauern. Dabei kam es auch zur rituellen Anrufung des Toten (conclamatio).[17]

Waren die Riten der Aufbahrung verstrichen, gelangte die Bestattung zumindest für reiche Verstorbene sowie die Anhänger des hohen Patriziats zum Höhepunkt, der pompa funebris.

Dies war der festliche Leichenzug zum Grab oder der Verbrennungsstelle des Toten. Verbrennungen fanden entweder auf öffentlichen Plätzen, etwa dem Forum, statt, oder wurden direkt am Grab vorgenommen. Die Asche wurde dann in Tücher gehüllt und in einer Urne beigesetzt. Erdbestattungen erfolgten entweder in hölzernen oder steinernen Sarkophagen.

 Die pompa funebris hatte eine wichtige Funktion innerhalb des Totenkultes, der an dieser Stelle einen spezifisch römischen, d. h. politischen Zug annahm. Im Leichenzug, der bei wichtigen Persönlichkeiten noch die öffentliche Leichenrede (laudatio funebris) enthielt (diese war nichts anderes als eine politisch gefärbte Rede auf die Großtaten des Verstorbenen), schritten die Ahnen des Verstorbenen, repräsentiert durch Maskenträger, mit. Diese Masken (imagenes) waren portraitgetreue Wachsbilder (Totenmasken) der Ahnen, die nun durch professionelle Schauspieler dargestellt wurden.[18] Der Tote wurde somit weniger auf eine Reise ins Jenseits begleitet, als vielmehr in die Gemeinschaft seiner Ahnen eingereiht, die im Zug ihre Amtinsignien tragend, die lange Reihe würdiger Vorfahren darstellten. Damit war den bedeutenden Patrizierfamilien (nur sie hatten das Recht zur öffentlichen Maskenschau) anlässlich jeder Beerdigung die Möglichkeit gegeben, die Macht der Sippe zu demonstrieren. Ähnlich den Adelsfamilien der mittelalterlichen Feudalzeit gründeten in Rom Macht und Einfluss zu einem Großteil auf der Abstammung. Das Begräbnis war eine Art lebendig vorgetragenes Schauspiel dieser Abstammung. Der Tote wurde so mitten Kreis der Lebenden vergegenwärtigt. So war es unter anderem auch üblich, die imagines der divi parentum in kleinen Schreinen im Atrium des Hauses aufzubewahren. Dass solch diesseitsbezogener Kult auch breiteren Volksschichten eigen war, belegen recht nüchterne Grabinschriften, die fern von Pathos oder Huldigungen an das Jenseits das Diesseits beschreiben und leicht wehmütig loben:

DOMUM SERVAVIT LANAM FECIT[19]

(Sie hielt Haus und spann Wolle)

DUM VIXI BIBI LIBENTER BIBITE VOS QUI VIVITIS[20]

(Lebenslang trank ich so gern [Wein]; trinkt auch ihr, die ihr noch lebt)

Solch diesseitiger und recht persönlicher Ahnenkult stand in eigentümlichem Widerspruch zu den bereits beschriebenen Vorstellungen der anonymen Totengeister. Darüber hinaus ist zu erwähnen, das ein Leben nach dem Tode nicht durchgängig als sicher angenommen wurde. Wichtiger schein die Hoffnung, nach dem Tod durch die Familie nicht vergessen zu werden. Sklaven oder Arme ohne Familie erhielten folglich kein sonderliches Begräbnis, sondern wurden ohne jegliche Zeremonie in den städtischen Abfallgruben (puticuli) entsorgt. Ihr Vergessen war dadurch vorprogrammiert. Um solchem Schicksal zu entgehen, gründeten sich dann jedoch regelrechte Sterbekassen (collegia funeraticia), die dann im Todesfall die Dienste der (nicht vorhandenen) Familienangehörigen übernahmen.

Grabformen

Die Etrusker bestatteten in Gruben oder in Tumben, oder in Circoli, Steinkreise mit einem flachen Erdhügel und einer Grube in der Mitte, auch Tumuli genannt. Die Römer übernahmen sowohl Tumba, als auch Tumuli, und errichteten die Gräber in regelrechten Nekropolen an den Ausfallstraßen ihrer Städte (in Köln u. a. an der heutigen Bonner Straße) Die römische Engelsburg ist in ihrem Kern der Tumulus für Kaiser Hadrian. Unter östlichem Einfluss kam es auch zur Errichtung von Mausoleen. Dies waren hohe pfeilerartige Gräber, auch Sockelgräber, mit hausartigen Aufbauten für eine Statue des Verstorbenen (siehe in Köln in etwa das Grabmal des Lucius Poblicius). In Anlehnung an die Tumben entstanden auch Kammergräber mit mehreren Sarkophagen und Urnennischen (so auch in Köln-Weiden) für eine Sippe oder eine Beerdigungsgemeinschaft. Vornehme Familien ließen große Grabkomplexe für ihre Sippe errichten, so etwa das Tumulusgrab für die gens Iulia durch Augustus in Rom mit 78 m Durchmesser.

Desgleichen beliebt als Grab war der Tempiettotyp, ein Grab in Form eines Tempels, mit Säulenvorhalle und Kultraum auf einem über eine Freitreppe erreichbaren Podium. Die Gruft lag dann im Podium. Ebenso konnten riesenhafte Stelen als Grabsäulen (Trajanssäule in Rom enthält ein Grabmal) ein Grabmal aufnehmen, weiterhin kannte man in verkleinerter Form die ägyptische Pyramide (Pyramide des Cestius, Rom 18. v. Chr.).

Seit dem 2. Jahrhundert nach Christus finden sich allgemein für vornehme Personen Sarkophage. Im allgemeinen waren die Gräber der einfachen Personen aber schlichter, man bestattete höchstens in einem Holzsarg, das Grab erhielt einen Stein, mit Namen, Alter, Beruf und Stand des Verstorbenen, konnte auch Lobesworte enthalten. Spitz zulaufende Steine (etwa wie kleine Obelisken geformt) sind die „cippi“, flache, horizontale nannte man „mensae“. Diese lagen dann ähnlich unseren Grabplatten des 18. Jahrhunderts auf dem Boden.

Für Ascheurnen wurden seit der frühen Kaiserzeit in den großen Städten spezielle oberirdische Aufnahmestädten, die Kolumbarien, angelegt.[21] Sie sind ein Zeugnis für ein in Ballungszentren vermehrtes Raumproblem in Bezug auf die Bestattung, sodass die Urnen nun oberirdisch in Nischen gestapelt wurden. Solche Formen existierten auch (in Italien bis heute) für Körpergräber. Das Kolumbarium war das Grab für die misera plebs. Gemeinhin sind Rekonstruktionen dieser Kolumbarien nur schwer möglich, da sie oft zerstört wurden, oder während erster „archäölogischer“ Untersuchungen derartig zerpflückt wurden, dass diese „wissenschaftliche“ einer Zerstörung dieser Stätten gleichkam.[22]  

Interessanterweise kannte die Antike ähnlich heutigen Grabstätten eine Verknüpfung mit Pflanzenschmuck und Gartenanlagen.[23] Blumen galten in der Symbolsprache dabei nicht selten Zeichen für das Blühen und Vergehen des Lebens. Schwarzpappeln umstanden das Mausoleum des Augustus, die Wurzel der Asphodelie galt als „Speise der Schatten“ in der Unterwelt, nach Vergil wandelten die Schatten der unglücklich Liebenden in einem Myrtenhain. Zuweilen wurden die Totengärten in den Grabinschriften erwähnt (auch Literarisch bei Petronius´ „Gastmahl des Trimalchio). Dort konnten Wein, Früchte und schattiges Laub erscheinen, besonders Veilchen, immergrüne Sträucher: Akanthus, Hyazinthen, Safran, Lorbeer, Oleander, Lilien, Rosmarin, Sadebaum (Juniperus Sabina L.), Ringel- und Dotterblumen, Efeu, Fenchel, Kiefern, Krokus, Narzissen, Majoran. Sehr wichtig war die Bepflanzung des Totengartens mit Rosen, die aus dem Blut des Adonis entstammen sollten. Die Rose symbolisierte (und symbolisiert) die Hoffnung auf die einstige Wiederkehr.   Junge Verstorbene erhielten eine Rose auf dem Grab. 

Was ist alles im Römisch-Germanischen-Museum zu sehen?

Als herausragendes Grabmal im Römisch-Germanischen-Museum wäre freilich das Monument des Lucius Poblicius zu nennen, das heute unmittelbar neben dem Dionysosmosaik platziert ist. Dieses (wohl ab 1965) am Chlodwigplatz (unter dem Hemdenladen des Kölner Textilkaufmanns Heinrich Gens) geborgene Grabmal ist ein herausragendes Beispiel für die römische Sepulkralkunst des 1. nachchristlichen Jahrhunderts. Das etwa 14,50 Meter hohe Grabdenkmal zeigt in einer tempelartigen Architektur die Figur (wahrscheinlich) des Toten sowie weitere Familienmitglieder, die einst in der unter dem Grabmal befindlichen (nicht erhaltenen) Gruft beigesetzt waren. An den Sockelseiten sind Szenen abgebildet, die auf den Dionysoskult (schön die Menade mit in Trance zerrissenem Hasen) hinweisen. Damit wird eine Anhängerschaft des Verstorbenen zu diesen Kulten wahrscheinlich. Gleichfalls deuten die Tritonen an den Ecken des Daches auf diese Anhängerschaft hin. Wie bereits erwähnt, verweist Dionysos auf einen Kult, der den Toten ein Leben auf der sogenannten Insel der Seligen versprach. Die im Meer beheimateten Tritonen geleiteten die Seelen eben zu jener Insel.    

Nicht weit entfernt vom Grabmal des Poblicius beherbergt das Museum eine Reihe von Urnen aus Ton und Glas. Die gläsernen Exemplare dürften wohlhabende Hinterbliebene eingesetzt haben, wohingegen die Tonurnen die preiswertere Ware darstellten. Besonders kostbar war der passende Deckel zur Urne. Eine Glasurne beherbergt noch die ursprünglichen Überreste. Auf einigen Urnen sind stilisierte Gesichter abgebildet. Neben einer reinen Schmuckfunktion dienten diese Gesichter sicherlich dem Anwehrzauber vor dem bösen Geist des Toten, können jedoch ebenfalls als Gesicht des Toten angesehen werden. Der Tote durfte sein Gesicht nicht verlieren. Im Gesicht war das Fortleben des Toten sehr wahrscheinlich manifestiert.

Weiterhin sind in benachbarten Vitrinen („Gräber der Reichen“) Grabbeigaben aus dem letzten Drittel des 3. Jh. zu sehen, die aus den beiden Sarkophagen stammen, die den Vitrinen gegenüber stehen. Die beiden Sarkophage wurden 1968 westlich des Hildegardiskrankenhauses an der Bachemer Straße in Köln entdeckt. Hier lag kein öffentlicher Friedhof sondern eher ein privater Begräbnisplatz, der wohl zu einem Gutshof gehörte.[24] In dem mächtigen Sarkophag mit dem Kalksteindeckel lag kostbarer Schmuck (eine kurze Kette aus Gold mit sechs Edelsteinen, ein goldener Armreif, ein Ring mit Saphir, eine Spindel, vier Armreifen aus Gagat). Einzigartig ist der aus Achat gearbeitete schmale Becher, der durch fünf Gruppen von rundum eingeschliffenen Rillen gearbeitet ist.[25] Außerhalb des Sarkophags fanden sich Keramikgefäße, ein mit schwarzer Firnis überzogener bauchiger Tonkrug trag die Inschrift TV ME AMAS („Du liebst mich“). Außerdem fand sich der Rest eines Waagebalkens und eine winzige Waagschüssel (Durchmesser 1,5 cm). Zu dem zweiten Sarkophag (aus Tuffstein) gehören ebenfalls unterschiedliche Tongefäße und Teile von Bronzebeschlägen, Reste eines Kästchens. Seine Griffe waren zwei Wasservögel mit langen gebogenen Hälsen. Es fanden sich vier Haarnadeln aus Bein, sechs Gagat-Armreifen, ein eiserner Ring, zwei Messerchen, ein Schneckenhaus, eine winzige Waage, ein Schlüssel. Einzigartig sind acht landwirtschaftliche Geräte in Miniaturform (4 – 6 cm lang): Ochsenjoch, Handpflug, Hacke, Schaufel, Säge, Leiter, Heugabeln. Sie werden seit dem 19. Jh. als „Mithrassymbole“ bezeichnet, ihre genaue Bedeutung ist aber unbekannt.[26] zu diesem Grabfundgehören außerdem 23 Münzen aus der Zeit von 224 – 282 n.Chr.

Ebenfalls einzigartig sind – aus einem Grab an der Severinstraße - die „gläsernen Schuhe“, die einstmals wohl Öle bargen, eine in der archäologischen Welt einzigartige Besonderheit dar. Die beiden Flaschen (22,9 cm und 24,3 cm lang) entstanden im 3. Jh.[27] Durch Blasen und Formen erhielten sie die Gestalt von dicken Sohlen, auf die transparente Glasriemen aufgesetzt sind, die wiederum – ebenso wie das Fußbett – mit blauen und weißen „Schlangenfäden“ verziert sind. So gleichen sie sehr stark Badesandalen. Zum Grabfund gehören drei Teile eines zusammengesteckten Spinnrocken und eine schwere – nicht weiter zu bestimmende Münze. Am 25. Sept. 1971 entnahmen drei Männer aus einem gerade freigelegten römischen Sarkophag an der Severinstraße 129 die „gläsernen Schuhe“. Den Eigentümer informierten sie nicht. Dies hätte laut Gesetz innerhalb von 24 Stunden erfolgen müssen. Erst drei Monate später brachten sie ihren Fund ins Museum. In einer drauf folgenden Gerichtsverhandlung wurden die drei Männer nicht freigesprochen, sondern ihnen wurde auch ein Anteil des geschätzten Wertes von DM 55.000 zugesprochen. Diesen Wert hatte für die einzigartigen Fundstücke ein Gutachter ermittelt[28].

Neben solch reichem Schmuck wohlhabender Bürger sind einfache Tongefäße erhalten, die den Grabbeigaben der ärmeren Schichten entsprachen. Grundsätzlich stellte man sich das Jenseits als dem Diesseits ähnlich vor. Essgeschirr und Nahrung war daher eine beliebte (und notwendige) Beigabe, die dem Toten ein bequemes Leben im Jenseits sicherte. Zuweilen geben die Grabbeigaben auch Rätsel auf, wie etwa Werkzeuge in Miniaturform, die vielleicht den „Haushalt“ des Verstorbenen im Jenseits symbolisieren.  

Konkreter deutbar ist die Ikonographie des großen Steinsarkophage. Sarkophag (gr.) bedeutet (wörtlich übersetzt) Fleischfresser und weißt auf einen bestimmten Typus griechischen Marmors hin, der, einmal zu Steinsärgen verarbeitet, die Eigenschaft besaß, die Körper recht schnell zu zersetzen. Die überall im Museum (auch im Außenbereich) aufgestellten Sarkophage sind allerdings zumeist aus heimischem Sandstein oder Tuff gearbeitet. Sie wurden in unterschiedlichen Stadtteilen gefunden, entstammen also den ehemaligen Gräberfeldern um St. Severin, Bonner Straße, St. Ursula, St. Gereon und Aachener Str. sowie Braunsfeld.

An einigen Särgen im Kellergeschoss sind die geflügelten, römischen Todesgenien zu entdecken. Ebenfalls sind als Wächter des Grabes Löwen oder geflügelte Sphinxen auszumachen. Sie sind die klassischen Bewacher der Toten vor Dämonen und Geistern.

[1] Im Folgenden sind die Begriffe entnommen bei: Beltz, Walter: Lexikon der letzten Dinge, Augsburg 1993. Begriffe wie Hades, Styx oder Thanatos sind dabei grundsätzlich griechischer Provenienz, wurden allerdings mit der zunehmenden Hellenisierung (spätestens ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert) des römischen Denkens (in den gebildeten Oberschichten) im römischen Denken teilweise übernommen.

[2] Vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 309-323

[3] Entnommen bei: Böhme, Christian: Körper und Seele, in Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte, Stuttgart 1993, S. 154-159.

[4] Vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 309-323

[5] Vgl. Gladigow, Burkhard: Naturae deus humanae mortalis. Zur Konstruktion des Todes in römischer Zeit, in: Stephenson, Gunther (Hg.) Leben und Tod in den Religionen – Symbol und Wirklichkeit, S. 119ff.

[6] Portmann, Werner: Sterben / Tod, in: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte, Stuttgart 1993, S. 231-243.

[7] Vgl. ebd. S. 131ff. Vgl. auch: Portmann, Werner: Sterben / Tod, in: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte, Stuttgart 1993, S. 231-243. Portmann charakterisiert die di manes als die Einheit aller Totengeister und weist ihnen weniger eine Zugehörigkeit zu den unteren „familienlosen“ Schichten zu.

[8] Vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 313.

[9] Vgl. ebd. S. 313f.

[10] Vgl. Beltz, Walter: Lexikon der letzten Dinge, Augsburg 1993, S. 62.

[11] Vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 310.

[12] Zu den Modellen vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 309-323 sowie Stephenson, Gunther (Hg.) Leben und Tod in den Religionen – Symbol und Wirklichkeit, hier: Gladigow, Burkhard: Naturae deus humanae mortalis. Zur Konstruktion des Todes in römischer Zeit, S. 119-133, sowie Böhme, Christian: Körper und Seele, in: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte, Stuttgart 1993, S. 154-159.

[13] Vgl. Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 310-312.

[14] Vgl. hierzu besonders: Beltz, Walter: Lexikon der letzten Dinge, Augsburg 1993, S. 62 sowie Stephenson, Gunther (Hg.) Leben und Tod in den Religionen – Symbol und Wirklichkeit, hier: Gladigow, Burkhard: Naturae deus humanae mortalis. Zur Konstruktion des Todes in römischer Zeit, S. 119-133.

[15] Portmann, Werner: Sterben / Tod, in: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte, Stuttgart 1993, S. 231.

[16] Vgl. ebd.

[17] Bräuche der Anrufung können verschiedene Gründe haben, Einerseits versichert man sich so, dass der Tote „wirklich“ gegangen ist, andererseits konnte die nochmalige Vergegenwärtigung des Toten den rituellen Sinn haben, ihn, seine aufgegebene Position im zurückgelassenen Familienkreis zu bestimmen. Anrufungen und Beschwörungen der Toten zeugten immer auch von einer (Ehr)furcht vor dem Verstorbenen. Er musste gebannt, und in seine spezifische neue Sphäre verwiesen werden. Vgl. auch: Fuchs, Werner; Todesbilder in der modernen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1969, S. 26ff.      

[18] Arnold Hauser hat darauf hingewiesen, dass in diesen Masken der Ursprung der europäischen Portraitkunst überhaupt zu suchen ist. Vgl. Hauser, Arnold: Sozialgeschichte der Kunst und Literatur, München 1990, S. 112ff.

[19] Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 314.

[20] Reichert G. Heinrich: Lateinische Sentenzen, Wiesbaden 1948, S. 315.

[21] Vgl. Kammerer-Grothaus, Helke: Antikenrezeption und Grabkunst, in: Boehlke, Vom Kirchhof zum Friedhof S. 124-135.

[22] Vgl. ebd.

[23] Die folgenden Ausführungen zum Pflanzenschmuck beziehen sich auf: Kammerer-Grothaus, Helke: Antikenrezeption und Grabkunst, in: Boehlke, Vom Kirchhof zum Friedhof S. 134f.

[24] S. Gerta Wolff: Das römische Köln. Köln 2000, S. 128-129.

[25] S. Gerta Wolff: Das römische Köln. Köln 2000, S. 128.

[26] S. Gerta Wolff: Das römische Köln. Köln 2000, S. 128-129.

[27] S. Gerta Wolff: Das römische Köln. Köln 2000, S. 129.

[28] ebenda.