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Teil 1: Kölner Sagen - Die Teufelsglocke 

Als der Dombau so weit fortgeschritten war, dass man an die Ausstattung dachte, erhielt der Glockengießer Wolf den Auftrag, eine Glocke für den Kölner Dom anzufertigen. Mit großer Freude und voller Stolz nahm der Meister diesen ehrenvollen Auftrag an, schließlich galt er als der beste Glockengießer weit und breit. Mit großem Eifer machte er sich mit seinen Gesellen sofort an die Arbeit.

Zuerst musste die Größe und Dicke der Glocke bestimmt werden um hierzu eine Form herstellen zu können. In diese Form wird dann das genauestens berechnete und abgemessene Verhältnis zwischen Eisen, Kupfer, Zinn, Blei und Zink gegossen. Sobald dieses Gemisch dann erhärtet ist kann die Form zerschlagen werden. Dies ist der spannendste Moment, denn jetzt kann mit Gewissheit gesagt werden ob der Guss von Erfolg gekrönt ist. Eine wohlgeformte und wohlklingende Glocke herzustellen war keine einfache Sache, aber Meister Wolf war guter Dinge und zweifelte in keinem Moment an seine Fertigkeiten.

Nach mehreren Monaten intensivster Arbeit war nun die Form fertig gestellt. Der Meister seine Gesellen zusammen, alle falteten die Hände zum Gebet und die Stimme des Meisters bittet laut um den Segen des Himmels für das tönende Kunstwerk:

„Hebt die Augen himmelwärts,

und lasst rinnen jetzt das Erz,

dass die Glocke wohl gelinge

und das Lob des Höchsten klinge.

In Gottes Namen.

Amen.“

Er ließ das glühende Metall aus dem Kessel in die Form gießen. Nun war etwas Geduld nötig bis das Metall erhärtet. Währenddessen gehen Meister und Gesellen frohgelaunt in die Schenke und trinken auf das Gelingen der Glocke.

Als dann am nächsten Morgen der Meister zuversichtlich die Form zerschlägt, stockt ihm der Atem: ein dicker Riss kam zum Vorschein, der Guss war fehlgeschlagen! Das ist bisher noch nie in seiner Werkstatt passiert und ausgerechnet bei der Glocke für den Dom…..

Der Meister wurde zornig und beschuldigte die Gesellen, ihre Arbeit nicht fachgerecht ausgeführt zu haben. Er zerschlug die missratene Glocke und alle mussten sofort wieder die Arbeit aufnehmen. Und wieder vergingen etliche Wochen, in denen der Meister diesmal seinen Gesellen missmutig und mit Argwohn ganz genau auf die Finger schaute. Mit niemandem und nichts war er zufrieden.

Als der große Moment des Gießens kommt, versammeln sich Meister und Gesellen wieder zum Gebet. Fordernd und herrisch ertönt Wolfs Stimme himmelwärts:

„Hilf Gott, erhör in Gnad mein Flehen,

lass rein und schön mein Werk erstehen.

In Gottes Namen.

Amen.“

Wieder floss das Metall, nun in die neue Form, aber diesmal hatte man nicht die rechte Einstellung zum feiern und so ging jeder missmutig nach Hause. Am nächsten Morgen, nach einer unruhig verbrachten Nacht, waren Meister und Gesellen noch früher als sonst in der Werkstatt, und die Form wurde zerschlagen.

Meister Wolf fluchte und war außer sich vor Zorn! Auch diesmal durchzog die gesamte Glockenwand ein Riss. Aber er gab nicht auf und war bereit einen dritten und letzten Guss zu wagen. Wenn er schon vorher jähzornig und missmutig war, so war nun nicht mehr zu ertragen geschweige denn ansprechbar.

Ein dritte Mal kommen nun Meister und Gesellen zusammen und mit geballten Fäusten in Richtung Himmel ertönten Wolfs Worte:

„Halfen mir nicht die guten Geister,

so ruf ich jetzt der Höllen Meister:

Möge er das Glück mir bringen.

Teufel lass du´s gelingen!“

Den Gesellen lief es eiskalt den Rücken runter, während das rot glühende, zischende Erz in die Glockenform floss. Entsetzt verließen sie so schnell sie konnten die Werkstatt. Sie wurden nie wieder.

Der Meister aber legte nun alleine die Glocke frei, und siehe da, ein Prachtstück, wohlgeformt und ohne jegliche Makel kam zum Vorschein! So wie er es von Anfang an erwartet hatte.

Der Termin für die Weihung stand schon fest und vor einer großen versammelten Menschenmenge segnete der Priester die Glocke. In dem Moment wo das Weihwasser die Glocke berührte bildete sich ein feiner Riss in der Glocke. Da dies nicht bemerkt worden war, wurde die Glocke wie geplant in den Turm hochgezogen, wo bereits stolz sein Schöpfer, Meister Wolf , auf sie wartete.

Die Glocke hing und der erste Ton über die Stadt erklang. Was nun erklang hatte mit Glockengeläut nichts gemein. Man meinte eine riesige Schar krächzender Krähen und Raben zu hören, so hässlich und in den Ohren schmerzend, dass Meister Wolf sich die Ohren zuhielt und erschrocken anfing zu taumeln. Plötzlich packte ihn eine dürre, knochige Hand und Wolf sah in ein fremdes und fratzenhaft grinsendes Gesicht. „Nun hast du was du wolltest. Jetzt musst du dafür auch bezahlen“, hörte er noch den grauenhaften Fremden in sein Ohr flüstern und ehe Meister Wolf sich versah, stürzte er schreiend vom Gerüst in die Tiefe.

Als die Leute später von seiner teuflischen Bitte hörten, wusste man, wer den Meister vom Gerüst gestoßen hatte. Von da an bekam die Glocke den Namen Teufelsglocke und bis zu ihrer Einschmelzung wurde sie ausschließlich bei Gefahr durch Brand oder Krieg geläutet.

Quelle: Kölner Sagen und Legenden, 2002, Yvonne Plum

Missklingende Glocken

Irische Mönche waren die ersten, die Glocken auf das europäische Festland brachten, allerdings aus Holz bzw. aus grob geschmiedeten Eisen. Wegen der dumpfen Geräusche die sie von sich gaben nannten sie sie „clock“. Dieses keltische Wort stand Pate für die deutsche Bezeichnung „Glocke“.

Die älteste Kölner Glocke befindet sich im Stadtmuseum und ist aus drei Blechen zusammengeschmiedet. Wenn man sie betrachtet, kann man erahnen, welch scheußliche Geräusche sie von sich gegeben haben muss. Der Sage nach ist sie von Schweinen bei St. Cäcilia ausgebuddelt worden. Im Volksmund hieß sie ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt der Geschichte „Saufang“.

Glocken riefen die Menschen zur Messe, begleiteten Tote auf ihrem letzten Weg oder Sünder zum Henker, läuteten bei Gefahr und verkündeten die Uhrzeit. Sie waren also die einzige Möglichkeit Menschen zu alarmieren, Ereignisse anzukündigen und Nachrichten zu verbreiten.

Wahr ist an der Sage „Die Teufelsglocke“, dass es wirklich eine missklingende Glocke im Dom gegeben hat:

Der Glockengießermeister Andreas Hamm aus Frankenthal hatte den Wettbewerb für sich entscheiden können, eine Glocke für den Dom zu liefern, gestiftet von Kaiser Wilhelm I. Sie solle die aus dem Mittelalter stammenden Glocken „Pretiosa“ (die Kostbare) und ihre kleinere Schwester „Speciosa“ (die Prächtige) klanglich begleiten. Sein erster Guss am 19. August 1873 misslingt, auch mit dem zweiten Guss am 13. November ist die Kommission nicht zufrieden, denn es galt den Ton „C“ zu treffen, die untere Quinte der „Pretiosa“. Der dritte Anlauf gelingt, allerdings erklingt beim Probeläuten ein hohes „Cis“ fast schon ein “D“. Man hofft allerdings, wenn die Glocke einmal häng,t klingt sie im Turm wesentlich anders.

Das Prunkstück von 27.000 kg wird nach Köln gebracht und am 8. Mai 1875 legt das Schiff mit der kostbaren Fracht in Köln an. Der Transport die steile Gasse hoch von Unter Fettenhennen Richtung Dom dauert etliche Tag. Als die Glocke endlich im Turm hängt erklingt sie nicht anders als in Meister Hamms Werkstatt in Frankenthal. Die Glocke bleibt zwar hängen allerdings sind jedes Mal 28 Mann notwendig, die man aus den Kasernen in Deutz holt, um die Glocke in Gang zu setzen. Mehrfach wurde versucht, mit neuen Klöppeln den Missklang abzustellen, jedoch ohne Erfolg.

Nichts desto trotz wurde die Glocke am 30. Juni 1887, einen Tag nach Peter und Paul, auf den Namen Petersglocke geweiht. Aber auch das brachte kein Glück. Am Pfingstsamstag des Jahres 1908 löste sich der mächtige Klöppel und stürzte in den eisernen Glockenstuhl.

Am 22. Dezember 1917 wurde der Ausbau der unglückseligen Glocke angeordnet, da man das Erz für Kanonen im ersten Weltkrieg benötigte. Ein letztes Mal sollte sie an Heiligabend läuten, aber durch einen Fehler im mittlerweile elektrischen Läutwerk blieb sie stumm. Sie wurde abgebaut und zerlegt, aber nicht ohne das Versprechen des Kaisers Wilhelm II, nach dem Krieg eine neue Kaiserglocke für den Dom zu spenden. Es blieb bei dem Versprechen, denn der Kaiser musste ins Exil fliehen.

1922 erinnert der Oberbürgermeister von Köln Konrad Adenauer die Regierung in Berlin an das Versprechen des Kaisers. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und Heinrich Ulrich aus dem Thüringischen Apolda gießt 1923 die bis heute größte, frei schwingende Glocke der Welt, die St.Peters-Glocke, „decke Pitter“ genannt.

Quelle: „Die Kölner und ihr Dom“ Dieter Breuers, 1998, S 201 ff

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